Wenn das Leben nur nicht so Hardware…

Ach was, freu ich mich, mich wieder mit dem Support der Firma Hubert Picard beschäftigen zu dürfen. Und dabei fing das alles so harmlos an…

Kunde droht mit Auftrag. Er möchte einen speziellen Server, diverse Hardwareoptionen und Software. Als Dienstleistung nur gewünscht zusammenbauen, gucken ob läuft, dann Übergabe an Kunde. Schnell verdientes gutes Geld für wenig Arbeit. Soweit der Plan. Dieser überlebt bekanntlich nur selten den Erstkontakt mit der Realität, und das soll auch diesmal Gesetz sein…

Freudestrahlend nehmen wir also unsere Einzelteile in Empfang, haken die Liste ab. Prima Klima, alles geliefert wie bestellt. Super, schnell mal ne halbe Stunde schrauben und der Kunde kann sein Gerät abholen… oder halt auch nicht.

Denn von nun an soll das Unheil seinen Lauf nehmen, in Form eines laut aller Informationen für den Server speziell richtigen Prozessor. Der Prozessor passt auch super, nur irgendwie will der Kühlkörper nicht passen… verwundert nicht, da er auch anders aussieht als der des ersten bereits vorinstallierten Prozessors.

Sicherheitshalber nochmal checken, ob wir was falsch bestellt haben oder unser Lieferant falsch geliefert: Nein, 110%ig konform mit den Angaben von Hubert Picard.

Also: Erste Kontaktaufnahme mit Bulgarien. Ja, das Problem kenne man. Man habe Ende letztes Jahr die Hardwarekonfiguration geändert, unter anderem auch die Montage der Kühler. Es könne vorkommen, dass der falsche Kühler im Prozessorkit geliefert wird, den könne man aber beim Lieferanten tauschen lassen. Aaaaaah ja…. na gut. Dieser kurze Moment, in dem ein kleiner Minion mit Megaphon *bee-doooh bee-doooh* schreiend um meinen Kopf schwirrte, hätte mich zum Nachdenken bewegen sollen….

Wider Erwarten war unser Lieferant nach der Erklärung sofort bereit, einen passenden Kühlkörper zu liefern, sogar per Expressversand. Toll, dachte ich, dann werde ich ja morgen fertig. Aus der Ecke lachte mich ein Minion aus….

Selbstverständlich funktionierte der Expressversand ohne Probleme, und der Kühlkörper passte auch wunderbar! Jippie, Server eingeschaltet und… und… *mörp* Kryptischer Abbruchfehler. Weder Booten von externem Datenträger noch Griff ins BIOS möglich…. Der Fehler existiert in keiner frei verfügbaren Dokumentation von Hubert Picard, das nur am Rande…
Mit jedem der Prozessoren einzeln startet das System, mit beiden gelichzeitig keine Chance.

Bulgarien, die Zweite – die Minions bereiten Popcorn vor. Erklärbär labersülz soundso. Oh ja, hmmmm… da müsse man mal recherchieren, man melde sich. Na gut, in der Zwischenzeit kann ich ja selber etwas recherchieren und noch rumspielen, kaputtmachen kann ich akut ja nichts, läuft ja eh nicht.

Bevor sich dann mein aktueller bulgarischer Ansprechpartner bei mir meldete, bemerkte ich den kleinen aber feinen Unterschied auf der Unterseite der Prozessoren… Hoppla, wenn sie physisch eindeutig unterschiedlich sind – dann könnte sich der Verdacht erhärten, dass es sich tatsächlich um unterschiedliche, nicht kompatible Bausteine handelt. Die Minions nickten zustimmend.
Die Minions und diverse Diagnosetools sollten Recht behalten.

*klingeling Bulgarien* Oh ja, hoppla, ganz doof gelaufen, die sind wohl wirklich unterschiedlich. Tausch natürlich machbar, müsste aber über den Lieferanten erfolgen. Ooooooookaaaaay…

“Du, Lieferant – Hubert Picard sagt, ist sich Prozessor falsch. Schickst Du mir so einen, wie er anfänglich schon drin war?” – “Ja, klar, dauert aber 2 bis 3 Wochen.” Während der Kunde schon n-Ecke mit n größer Drölfzig kotzt, bespreche ich das lieber nochmal am nächsten Tag mit El Cheffe, der frisch aus dem Urlaub kommt und von unserem Hardwareglück noch nichts weiß.

Nachdem El Cheffe das ganze am nächsten Tag nach kindgerechter Erklärung begriffen hat, wieso und warum hier was nicht geht, hakt er sich ins Geschehen auch nochmal ein – er hat ja noch ein paar mehr Möglichkeiten der Einsichtnahme. Nach nochmal einem halben Tag reiner Recherche (sagte ich schon, dass wir nur die Hardware ohne Dienstleistung verkaufen wollten) kamen wir dem eigentlichen Problem auf den Grund: Der Prozessor, der ursprünglich verbaut war, hätte in dem Modell garnicht drinsein dürfen.

Bulgarien 3 – Revolution: “Oooooooh ja, verzeihungtschuldigungtutunssorry, ja, es ist in der Produktion schiefgelaufen. Selbstverständlich schicken wir ohne Zögern den richtigen Prozessor. Ich muss jetzt auch weg, denn inzwischen rufen nur noch Kunden mit dem Problem an…”

Wir waren – wie sollte es auch anders sein – tatsächlich mal wieder die ersten, die in einen großen Haufen Sch***e getreten sind.

So, das KÖNNTE es jetzt gewesen sein… aber dann wäre die komplett ausverkaufte Minionkurve sicher enttäuscht.

Natürlich haben wir nach der Hardwareinstallation dann diverse Diagnosen laufen lassen. Alle grün, super. Kunde freut sich, dass er sein neues Spielzeug bekommt. Freut sich ungefähr einen halben Tag lang… denn nach Installation des Betriebssystems steigt der Server in relativ kurzen Zeitabständen komplett aus, PSOD.

*Ooooohhhmmmmmm* Ich bin ruhig, cool bis auf die Knochen… Google ist mein Freund. Aha, könnte ein Problem mit ausgerechnet dem Server und dem Betriebssystem sein. Leider aber nur für die vorletzte Betriebssystemversion, denn in dieser gibt es den Schalter nicht mehr….

Ich lasse die Minions für mich in Bulgarien anrufen. “Haben Sie denn schon..” – “Ja, ne. Den Schalter gibt es nicht mehr.” – “Hmmm… ja dann… bräuchten wir mal ein Log und probieren sie nochmal labersülzquatschmitsoße”

Jaja, kriegt ihr. Morgen. Und nachdem das dann alles nicht funktionieren wird, könnt ihr mir eigentlich jetzt schon mal ne RMA fertigmachen. I moag nimmer… *bee-doooh bee-doooh*

Mr. Undank und andere Unmenschen

Dass man Dank für seine Arbeit immer wieder nur von wenigen Auserwählten erwarten darf (komischerweise immer dieselben), bin ich ja schon gewohnt. Aber dass eine ähnlich kleine Menge (komischerweise auch immer dieselben) nicht nur undankbar, sondern auch hochnäsig, arrogant und abwertend gegenüber dem kleinen Admin ist, das geht mir persönlich ziemlich auf den Digitalzeiger.

So auch heute wieder geschehen… ich schweife dann mal ab…

Ich betreue schon seit längerem einen mittelständischen Kunden als Admin und IT-Technisches Mädchen für Alles. Hier werden viele hausinterne Programme eingesetzt, die anno Leipzigeinundleipzig noch in VB6 geschrieben wurden, von einem Mitarbeiter, der momentan über längere Zeit ausfällt. Diese Programme waren für uns grundsätzlich “Off Limits”, an dem Quellcode hatten wir seinerzeit nichts zu melden. Da zwischenzeitlich die Notwendigkeit war, diese Programme auch mal anzupassen, hat sich das relativiert – dennoch wird die eigentliche Programmierung weiterhin von einem internen Mitarbeiter übernommen.

Eines dieser Programme greift z.B. auf Daten der jeweiligen Windowsbenutzer der Domäne zu, z.B. Anmeldename, Mailadresse, Durchwahl etc., um diese für andere interne Prozesse zu nutzen und weiterzuverarbeiten. Sollte bei der Usereinrichtung am Server was schiefgelaufen sein bei einer Neueinstellung, merkt man das eigentlich durch das Programm sehr schnell – es tut nämlich nicht mehr so, wie erwartet. So auch heute.

Neuer Mitarbeiter, am Server alles korrekt eingerichtet und alle Folgearbeiten korrekt ausgeführt. Trotzdem Ergebnis des Programms: Mörp. Da wir das Ergebnis nciht überwachen, muss das erst einem internen Mitarbeiter auffallen, ist es dann auch. Wir sollten das natürlich schnellstmöglich ändern…

Nunja… wenn denn irgendwas anders gewesen wäre als sonst… aber die Arbeitsschritte habe ich den vergangenen Jahren so oft ausgeführt, dass ich das wahrscheinlich blind ohne Monitor könnte. Also bleibt nur: Die Erforschung des unendlichen Quellcodes. Die Hoffnung, dass der interne Programmierer mir da schnell behilflich sein könnte, zerschlug sich allerdings.

Also, nochmal schnell rekapituliert, was “Hallo. Ich heiße Igor.” auf VB6 heißt und ab in die Fluten. Glücklicherweise ist der Code wirkllich gut dokumentiert, so konnte ich dann die Schlinge ums Problem enger ziehen. Es stellte sich heraus, dass der neue Mitarbeiter in einer anderen internen Datenbank noch nicht eingerichtet war, daher kam “Mörp” als Ausgabe des anderen Programms. Tja, schade eigentlich, dass die Pflege dieser Datenbank rein bei der kaufmännischen Leitung des Kunden liegt. Nachdem diese den verpennten Eintrag nachgeholt hatte (von der kaufmännischen Leitung bekomme ICH meine Infos, was neue Mitarbeiter angeht, nicht umgekehrt), spielte das Programm wie erwartet nach meinen Regeln.

Den Erfolg sowie die Erklärung wollte ich nun natürlich dem Mitarbeiter kundtun, der das Problem meldete. Als Antwort bekam ich, und ich zitiere wörtlich: “Das ist mir total egal.”

War es mir dann auch. Manchmal hab ich das echt satt…

Und wenn ich nachtragend wäre, sowie boshaft und gehässig, und wenn es mir nicht zuwider wäre, meine Adminmacht für Rachezwecke zu nutzen, dann würde ich wahrscheinlich, wenn er das nächste Mal ein Problem hätte, antworten:

Hubert Picard und das Carepaket

Sollte uns die Technik das Leben nicht eigentlich einfacher machen? Zumindest dachte ich das bisher immer… wie ich mich doch irren kann.

Ein weltweit agierender Hersteller für Computerhardware bietet für viele seiner Produkte für schmales Geld verschiedenste Garantieverlängerungen, auch als Carepack bezeichnet, an. Um hier niemandem zu nahe zu treten, tun wir für besagten Hersteller einfach mal so, als wäre er ein Vorfahr eines bekannten Raumschiffkapitäns und nennen ihn daher Hubert Picard.

Nun hat einer unserer Kunden bei Hubert Picard ein solches Carepaket für eines seiner Produkte erworben. Damit dieses aber auch gültig ist, muss man es online registrieren. So weit, so gut. Nur leider scheiterte der Kunde daran, dass die Registrierungsseite den Versuch des Registrierens mit einer Fehlermeldung Marke „Service nicht verfügbar“ quittierte. Gestresst bat der Kunde um fachmännische Hilfe – warum er sich dafür an uns wand, ist mir schleierhaft. 😉 Just kidding…

Nun glänzt der Internetauftritt von Hubert Picard hauptsächlich durch eins NICHT: Übersichtlichkeit. Aber wenn man öfter mit dem Raumschiffkapitänsvorfahren zu tun hat, findet man den Weg in einigermaßen annehmbaren geologischen Zeitabständen. Fachmännischer Versuch der Registrierung schlägt ebenfalls fehl, gleiche Fehlermeldung.

Na gut, Plan B. Solange durch diverse Links klicken, bis man endlich beim Online-Chat mit einem Supporttechniker landet. Dass dieser für den Bereich D/A/CH irgendwo in Bulgarien oder Ungarn sitzt, tut der Qualität glücklicherweise keinen Abbruch – die Mitarbeiter sind durchweg kompetent, freundlich und der deutschen Zunge in Wort und Schrift mächtig, das hab ich auch schon schlimmer erlebt. Warum man allerdings zwei bis dreimal die gleichen Informationen eintippen muss, bis man dort landet und dann nochmal vom Mitarbeiter gefragt wird, ob die Informationen auch wirklich richtig sind, nehme ich jetzt einfach mal so hin.

So schilderte ich dort mein Problem mit der unkooperativen Onlineregistrierung. Man gab mir auch gleich die Telefonnummer der entsprechend spezialisierten Hotline, an die ich mich wenden könnte. Ich sag ja: Man bekommt durchaus schnell Hilfe.

Bei dieser Hotline angelangt durfte ich meine Sprüchlein also nochmals aufsagen. Und ja, dies sei ein technisches Problem.
Also erst mal funktioniert die Seite grundsätzlich nur mit dem Internet Exploder der Firma Winzigweich. Ja, hab ich versucht, läuft nicht.
Und ab Version Blablabla muss für unsere Seite zwingend der Kompatibilitätsmodus eingestellt werden. Okay… könnte man ja dazu schreiben, aber gut… Ne, immer noch nicht.
Wie lautet denn der letzte Buchstabe der Carepack–ID? Wiesowarumundhäääh? Was sollte das denn damit zu tun haben? Nun gut, sag ich halt mal „AAAAAAA…“. Ach A, ja daaaaaaaaaann muss als Land Deutschland und als Sprache Englisch eingestellt werden. Hva‘behar? Ist doch jetzt nicht euer… oh, es geht. Wie soll der durchschnittliche Kunde sich das denn zusammenreimen? Steht das A für Allemannia und Angelsächsisch? Stille….

Soviel dazu für heute. Nächste Woche teste ich dann mal das V… für Venezuela und Volapük.

*sing* Lovely SPAM, wonderful SPAAAAM…

Spamfilter sind was feines. Sorgen sie doch dafür, dass User im Normalfall gar nicht mitbekommen, was da so an Müll durchs Netz geschossen und in welcher Geschwindigkeit und Menge.

Nun funktioniert so ein Mechanismus grundsätzlich nur so gut, wie ihn seine Erschaffer programmiert haben. Und auch mit allen Updates im Sekundentakt und den restriktivsten Einstellungen kann auch so eine Maschine in ihrer Einschätzung einer Mail mal falschliegen – irren ist halt nicht nur menschlich.

Wie gesagt werden die Mechanismen immer besser, und es flutscht nur ganz selten etwas durch, vielleicht im Zehntel-Promille-Bereich, wenn überhaupt. Aber genau hier fangen die Probleme an…

Die User sind es erstens gewohnt, keinen Spam zu bekommen und können daher zweitens Spam nicht mal mehr dann selber erkennen, wenn ein kenianischer Exil-Despot in neongelben Lettern mit dem Betreff “Phish you were here” persönlich um ihre TAN bittet. Klick mich, ich bin ein verwunschener Prinz!

Warum ich deswegen so rumheule? Weil ich der Depp bin, der sich dann sowas anhören muss wie “Kannst Du mal gucken, ob das Spam ist?”, “Was muss ich denn jetzt machen?”, “Mach, dass ich sowas nicht mehr kriege.”, “Warum kriegen wir denn plötzlich soviel Spam?”

VIEL? PLÖTZLICH? Von wegen…
Ich glaub ich mach mal ne Diashow mit den Statistiken der letzten zwölf Monate…

Geschichten aus 1001er geistigen Umnachtung

Festplattenfund… Geschichten aus uralten Zeiten… in einem anderen Kapitel jenseits von heute… als man mich noch woanders als heute durch die Gegend scheichte…

Geschichten aus 1001er geistigen Umnachtung

Heut will ich euch berichten aus dem fernen Kalifat Absurdistan, und dort aus einem kleinen Sultanat namens Inkompetenzia, von dessen Einwohnern auch als EDV bezeichnet. Absurdistan sollte sich in Kürze zu einem prächtigen Reiche wandeln, so hatte der Kalif gepredigt. Alle Straßen und Orte sollten erneuert und verbessert werden, und das noch, bevor das Jahr sich dem Ende neigt. Gespannt waren alle Einwohner von Absurdistan zu diesen Zeiten.

Der Sultan von Inkompetenzia – Sultan Achmed Jachefklarchef – herrschte, wie es sich für ihn gehört als treuer Diener und Wasserträger des Kalifen, über eine kleine Schar treuer Scheichs, derer drei an der Zahl.

Zwei davon – Scheich Ali Rollatolla und Scheich Ibrahim Pascha – waren hauptsächlich damit beschäftigt, die Karawansereien von ganz Absurdistan auch in den hintersten Winkeln des Landes am Laufen zu halten. Die Arbeit, die der eine fand, ließ der andere meist liegen, sodass sie perfekt Hand in Hand zur Zufriedenheit der Karawansereien arbeiteten.

Der letzte kleine Scheich Machmud Machdudas unterdessen hatte sich um alle Belange der dampfbetriebenen Rechenmaschinen zu kümmern.

So kam es eines Tages, dass Scheich Machdudas sich vom Sultan die Erlaubnis erbat, eine Pilgerreise von 21 Tagen und Nächten unternehmen zu dürfen, um sich Klarheit über sein Dasein zu verschaffen. Großzügigst genehmigte der Sultan seinem treuen Diener dies. Und es erging die Weisung, dass während seiner Abwesenheit der Sultan höchstselbst zusammen mit Scheich Ibrahim Pascha sich bestmöglich um die Belange der Rechenmaschinen kümmern würden.

So begab Scheich Machdudas sich also frohen Mutes auf seine Pilgerreise, auf der er viel neues kennenlernte, andere Völker und Kulturen. Auch wenn an manchem Tag eine Brieftaube aus Inkompetenzia ihn erreichte, die ihm Nachricht von der ein oder anderen weisen Entscheidung seines großen Sultans brachte, so fand er dennoch seine innere Ausgeglichenheit.

Doch jede Pilgerreise findet eines Tages ihr Ende, und so kehrte Scheich Machdudas an seine Stätte des Wirkens in Inkompetenzia im schönen Absurdistan zurück. Und er freute sich darauf, zu erfahren, wie weit inzwischen die Visionen des Kalifen vorangeschritten waren.

Zu seinem übergroßen Erstaunen musste er feststellen, dass die Sklaven noch nicht damit begonnen hatten, zum Ruhme Absurdistans die Infrastruktur zu verbessern, sie waren ja noch nicht einmal versklavt worden.

Schließlich an seiner alten dampfbetriebenen Rechenmaschine angekommen, freute er sich, dass offensichtlich nur geringe Korrespondenz auf ihn wartete. So müssen der Sultan, Allah behüte ihn, und Scheich Ibrahim Pascha wohl doch gute Arbeit geleistet haben. Die magischen Nachrichten waren schnell abgearbeitet, und die altmodische Korrespondenz auf Papyrus war erstaunlich wenig und bedeckte nicht seinen kompletten Sekretär. So blieb es für Scheich Machdudas bei seiner inneren Ausgeglichenheit.

So machte er sich auf einen Gang durch die Straßen Absurdistans, um einerseits zu zeigen, dass das Volk jetzt wieder Wünsche an ihn richten könne, als auch, um selber einmal bei allen Stämmen des Reiches nach dem Rechten zu sehen.

Als er schließlich die Oase „Zentrale Poststelle“ im Kerne Absurdistans erreichte, glaubte er, eine Fata Morgana zu erblicken. Was war das? Wartete dort wirklich ein solcher Berg an Briefen und Paketen, alle bestimmt fürs Sultanat Inkompetenzia? Fürwahr, seine Augen hatten ihm keinen Streich gespielt: Weder Scheich Ali Rollotolla, noch Scheich Ibrahim Pascha, ja noch nicht einmal der Sultan höchstselbst, welcher jeden Tag an der Oase mindestens einmal vorbeiritt, waren in der Lage gewesen, die Korrespondenz der letzten drei Wochen auf ihrem Weg nach Inkompetenzia mitzunehmen. Wie konnte so etwas nur geschehen? Waren dem Sultan und den Scheichs in der Zwischenzeit etwa die Gliedmaßen abgefault? Nein, mitnichten.

Dies machte Scheich Machdudas nun stutzig, sodass er seine Spione umherschickte und noch einiges mehr in Erfahrung brachte, während er selber mühsam die Post der letzten drei Wochen sortierte. Seine Spione berichteten ihm wahrlich und wahrhaftig noch folgendes, was sich während der Pilgerreise zugetragen hatte:

Selbst von einer Tänzerin aus der Abteilung der Zahlen und Finanzen auf den Berg an Papier angesprochen, nahm sich der Sultan diesem nicht an. Auch gab es ein Gespräch zwischen dem Sultan und Scheich Ibrahim Pascha, welches ich hier sinngemäß einfügen möchte: „Oh Scheich, habt ihr eines Tages daran gedacht, die Waren aus der Oase abzuholen?“ – „Bei Allah, nein, mein Sultan. Allah hat mich mit Vergesslichkeit gestraft, und es kam mir nicht in den Sinn.“ Doch auch nach diesem Gespräch sattelte keiner der beiden auf, um schnellstens zur Oase zu reiten.

Und dies war der Moment, wo Scheich Machmud Machdudas seine innere Gelassenheit wieder verlor, welche er auf seiner Pilgerfahrt erlangte, und der Mann im Mond konnte zum ersten Mal seit Menschengedenken die Halsschlagader eines Erdlings mit bloßem Auge erkennen.

Und wenn sie nicht gestorben sind, dann holen sie auch morgen nicht die Post.

Allah beschütze Sultan Jachefklarchef, Scheich Rollatolla und Scheich Pascha.

ALLAH BESCHÜTZE SIE VOR DEM GERECHTEN ZORN DES SCHEICH MACHDUDAS!

Was waren die letzten Worte des Betriebssystems? “Sind Sie sicher? J/N”

Ja, ich weiß, der Spruch ist alt. Aber leider verliert er nichts an seiner Gültigkeit. Ich würde sogar sagen, in den letzten Jahren ist er sogar mit wachsendem Onlinesein noch wahrer geworden. Bei der ganzen klickibunti Reizüberflutung liest doch keiner mehr, was er da klickt. Wer von euch liest den z.B. die AGB von irgendwelchen Onlineshops komplett durch, na? Eben.

Weshalb ich hier so eine Offensichtlichkeit rauskrame? Weil ich heute bei einem Kunden erlebt habe, wie groß der Anteil an gleichgültigen Klickern ist – und das Ergebnis hat mich beunruhigt.

Zur Vorgeschichte: Kunde ca. 60 PC-Arbeitsplätze, also schon einiges an Adminaufwand in der Domäne. Es begab sich, dass mal wieder ein Feature in einem weitverbreiteten Betriebssystem aus Redmond. Das Problem gab es auch schon in der Vorgängerversion, also war schnell klar, was zu tun ist: Zwei Registrykeys an jedem Arbeitsplatz hinzufügen und fertig. Da ja Turnschuhnetzwerk out ist, Registrykey rein ins Logonskript und bei der nächsten Anmeldung ist alles paletti. Schnell noch vorher testetn, wunderbar, sieht gut aus und funktioniert…

Da allerdings an meinem Testrechner die Benutzerkontensteuerung – also das nervige Teil, das bei so ziemlich jeder Installation fragt, ob man das wirklich will – abgeschaltet war, bekam ich ja auch bei dem Test keine Meldung. Wunderbar, dachte ich, dann kriegen die morgen ja nichtmal was davon mit. Ich sollte mich täuschen.

Die Benutzerkontensteuerung ist natürlich an allen Arbeitsplätzen aktiviert – ich weiß, es ist bequemer, sie zu deaktivieren, aber ich rate jedem dringendst davon ab. Also bekam höchstwahrscheinlich jeder Mitarbeiter bei der Anmeldung eine entsprechende Abfrage. Warum ich mir nicht wirklich sicher bin? Warum wohl: Wieviele Fragen, Anrufe, Mails oder Rückmeldungen werde ich ob dieser Aktion wohl bekommen haben? Richtig, eine. In Ziffern: 1.

Es darf doch wohl nicht wahr sein, dass es den Rest einen feuchten Fuzzi interessiert, was sie da klicken und vielleicht damit auslösen? Nicht einer der von mir befragten User konnte mir auch nur ansatzweise die Meldung nennen. Ich predige seit Jahren vor tauben Ohren, dass die bei Meldungen, die sie nicht kennen oder nicht einschätzen können, Laut geben sollen, verdammte Hacke. Und trotzdem hat die Herde brav geklickt…

Auf die ToDo-Liste: Hundebabys.exe programmieren. Ziel: ausführbare Datei, die Zugriff auf die Anzeigeneinstellungen sperrt und gleichzeitig ein ausgewähltes Foto als Desktophintergrund anlegt – natürlcih nur, wenn man die Abfrage der Benutzerkontensteuerung mit “Ja” beantwortet. Dann verteil ich das mal testweise per Brieftaube/Skript/Scheduler/Rundmail/whatever… und am nächsten Tag geh ich Hundebabies auf den Monitoren zählen.